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Knapp 18 Prozent aller 2500 Patienten, die
sich jährlich in Marienborn behandeln lassen, sind Senioren. Die
Beratungsstelle war der fehlende Mosaikstein, um als
gerontopsychiatrisches Zentrum firmieren zu dürfen.
Antriebsschwäche, Mutlosigkeit, das Gedächtnis lässt nach: Bislang war
da der Hausarzt die erste Anlaufstelle, der überwies dann an einen
Fachkollegen für Psychiatrie, und dieser Mediziner wiederum „verschreibt
dann Pillen gegen Depression, mehr kann er nicht tun“.
Dr. Ioan
Teodor Marcea schilderte am Donnerstag den typischen Verlauf bei
leichteren Gemütsbeschwerden. Marcea ist ärztlicher Leiter der
Fachklinik für Psychiatrie in Zülpich-Hoven und Vorsitzender des
psychosozialen Arbeitskreises im Kreis Euskirchen. Bei einer
Pressekonferenz, die er gemeinsam mit Marienborn-Geschäftsführer Achim
Klein und dem Sozialpädagogen Bernd Ridderbecks anberaumt hatte, wies
Marcea indes einen anderen als den eingangs beschriebenen Weg auf: Den
über die „Gerontopsychiatrische Beratungsstelle“.
Der Kreistag
hatte vor einigen Wochen entschieden, dass die Marienborn GmbH diesen
Titel tragen darf. Wie der Name erkennen lässt, sind ältere Menschen die
Zielgruppe. Knapp 18 Prozent aller 2500 Patienten, die sich jährlich
ambulant, stationär oder in tagesklinischen Plätzen in Marienborn
behandeln lassen, sind Senioren. Die Beratungsstelle war der fehlende
Mosaikstein, um als gerontopsychiatrisches Zentrum firmieren zu dürfen.
Den
Leidensdruck nehmen
Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich
praktizierte Lebenshilfe. Wer will schon gleich eine psychiatrische
Klinik oder einen Nervenarzt aufsuchen, wenn sich die Gemütslage
verfinstert hat? Vielfach stellt sich der Praxisbesuch dann auch noch
als unnötig heraus. Bereits mit Selbsthilfegruppen, Gedächtnistraining
und anderen „niederschwelligen Angeboten“, so Klein, kann dem
Hilfesuchenden oft der Leidensdruck genommen werden. Nur: Wo gibt es
solche Gruppen und Hilfsmöglichkeiten? Hausärzte sind da meistens
überfragt, Psychiater überfordert. Denn dieser „soziale Dienst“ wird
nicht bezahlt und ist daher für die niedergelassenen Fachärzte für
Psychiatrie aus betriebswirtschaftlicher Sicht kaum leistbar. In diese
Bresche springt ab sofort der Sozialpädagoge Ridderbecks. Er hat bereits
sein Büro im „Haus Theresia“ neben der Klinik bezogen, in dem er
montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr berät. Termine können mit ihm
unter 0 22 52 / 5 35 05 vereinbart werden.
Riddersbeck ist zwar
Angestellter der Marienborn GmbH, berät aber im Dienste des Kreises
Euskirchen „absolut neutral“. Mit den Krankenhäusern in Mechernich und
Schleiden ist bereits abgeklärt worden, dass Ridderbecks auch dort
Sprechstunden abhalten wird. Die Termine müssen noch abgestimmt werden.
Euskirchen könnte der vierte Standort werden, falls man sich im
Marien-Hospital nicht dazu entschließt, selbst derartige Beratungen
durchzuführen. Die Kosten müsste die Euskirchener Klinik allerdings
selbst tragen.
Marienborn wird indes nach dem Zuschlag als
offizielle Beratungsstelle für den gesamten Kreis Euskirchen in den
ersten drei Jahren vom Land bezuschusst: im ersten Jahr mit 70 000 Euro,
bis zum dritten Jahr sinkt die Finanzspritze immer weiter ab. Ab dem
vierten Jahr muss Marienborn die Chose selbst bezahlen, was man laut
Klein auch tun wird. Für den Hilfesuchenden ist die Beratung, die vom
Landschaftsverband angesichts der demographischen Entwicklung als
zwingend notwendig eingestuft wurde, kostenlos. Ridderbecks: „Die
Beratungsstelle ist zwar für ältere Menschen gedacht, aber ich würde
auch einen 30-Jährigen nicht wegschicken.“
Quelle: KStA.de
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