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Gedenkstele wiegt sieben Tonnen
Dienstag, 13. Juli 2010

Luise Kött-Gärtner erinnert an die Ermordung von 368 geistig behinderten Frauen und Mädchen durch die Nazis. Sie wurden im August 1942 aus der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ deportiert und in Hadamar umgebracht.

Es war ein wahrhaft „schwerer Auftrag“, den Bildhauerin Luise Kött-Gärtner im Sommer 2009 von der Psychiatrischen Fachklinik Marienborn in Zülpich-Hoven erhielt. Hatte sie noch zwei Jahre zuvor die Außenminister beim G-8-Gipfel in Heiligendamm mit ihren filigranen Skulpturen zur Zusammenarbeit motiviert, so gestaltet sie nun eine Gedenkstele für Euthanasie-Opfer des Nazi-Regimes.

Sieben Tonnen wiegt der Marmor-Quader, an dem die Künstlerin zurzeit in Mechernich arbeitet: 90 mal 90 Zentimeter stark und exakt 368 Zentimeter hoch - Zahlensymbolik pur. Im August 1942 wurden 368 geistig behinderte Frauen und Mädchen von den Nationalsozialisten aus der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ deportiert und in Hadamar ermordet. Daten, die geschichtlich dokumentiert sind. Unklar ist aber weiterhin das Schicksal von mehr als 100 Frauen, die trotz des Widerstands der katholischen Kirche aus dem Hovener Kloster abtransportiert wurden.

Sich der Geschichte stellen, verarbeiten statt verdrängen, innehalten und erinnern - all diese Dinge gingen Luise Kött-Gärtner durch den Kopf, als sie die außergewöhnliche Gedenkstätte konzipierte.

Portugiesischer Steinbruch

„Der Marmor für die Stele sollte deshalb unbedingt zwischen Weiß, Rosa und Lila changieren“, erläuterte die 57-Jährige, „um so allein schon durch die Farbe an die weiblichen Opfer zu erinnern.“

Erst in einem portugiesischen Steinbruch wurde Luise Kött-Gärtner endlich fündig. „Gott sei Dank hat es damals geregnet. So konnte ich das brillante Farbenspiel des Marmors erleben und mich für diesen Quader entscheiden.“ Mit der Seilsäge wurde das Segment für die Hovener Gedenkstätte herausgeschnitten und per Lastwagen nach Mechernich transportiert. Mit „intuitivem Duktus“, so die Künstlerin, erarbeitete sie die Gedenkstele. Dabei kamen sowohl Winkelschleifer als auch Polierscheibe zum Einsatz.

Stets standen auch Gerüstböcke und Bretter auf dem Hof der Steinmetz-Firma Simons parat, damit die Bildhauerin Symbole wie das gleichschenklige Kreuz im neunfachen Kreis in luftiger Höhe einmeißeln konnte. Inhaltlich wie strukturell prägend sind aber die „Lebenslinien“ der Euthanasie-Opfer, die die Künstlerin einzeln aus dem Marmor herausarbeitet: aufwärts strebend, sich überschneidend und plötzlich jäh unterbrochen.

Nur 30 Meter vom zukünftigen Standort der Gedenkstele entfernt initiierte Luise Kött-Gärtner im Park der Klinik Marienborn zudem ein begehbares Labyrinth nach dem großen Vorbild von Chartres. „Kranke befinden sich oft in einer inneren Wüste“, erklärte sie. „Hier bieten sich Wege der Orientierung, um die Mitte wiederzufinden. Ein Platz, um zur Ruhe zu kommen.“ Am 20. August soll der Gesamtkomplex „Ort der Wandlung - Gedenkstätte Marienborn“ im Park der Fachklinik eröffnet werden.

Quelle: KStA.de

 
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