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Luise Kött-Gärtner erinnert an die Ermordung
von 368 geistig behinderten Frauen und Mädchen durch die Nazis. Sie
wurden im August 1942 aus der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt“
deportiert und in Hadamar umgebracht.
Es war ein wahrhaft „schwerer Auftrag“, den Bildhauerin Luise
Kött-Gärtner im Sommer 2009 von der Psychiatrischen Fachklinik
Marienborn in Zülpich-Hoven erhielt. Hatte sie noch zwei Jahre zuvor die
Außenminister beim G-8-Gipfel in Heiligendamm mit ihren filigranen
Skulpturen zur Zusammenarbeit motiviert, so gestaltet sie nun eine
Gedenkstele für Euthanasie-Opfer des Nazi-Regimes.
Sieben Tonnen wiegt
der Marmor-Quader, an dem die Künstlerin zurzeit in Mechernich
arbeitet: 90 mal 90 Zentimeter stark und exakt 368 Zentimeter hoch -
Zahlensymbolik pur. Im August 1942 wurden 368 geistig behinderte Frauen
und Mädchen von den Nationalsozialisten aus der damaligen „Heil- und
Pflegeanstalt“ deportiert und in Hadamar ermordet. Daten, die
geschichtlich dokumentiert sind. Unklar ist aber weiterhin das Schicksal
von mehr als 100 Frauen, die trotz des Widerstands der katholischen
Kirche aus dem Hovener Kloster abtransportiert wurden.
Sich der
Geschichte stellen, verarbeiten statt verdrängen, innehalten und
erinnern - all diese Dinge gingen Luise Kött-Gärtner durch den Kopf, als
sie die außergewöhnliche Gedenkstätte konzipierte.
Portugiesischer
Steinbruch
„Der Marmor für die Stele sollte deshalb unbedingt
zwischen Weiß, Rosa und Lila changieren“, erläuterte die 57-Jährige,
„um so allein schon durch die Farbe an die weiblichen Opfer zu
erinnern.“
Erst in einem portugiesischen Steinbruch wurde Luise
Kött-Gärtner endlich fündig. „Gott sei Dank hat es damals geregnet. So
konnte ich das brillante Farbenspiel des Marmors erleben und mich für
diesen Quader entscheiden.“ Mit der Seilsäge wurde das Segment für die
Hovener Gedenkstätte herausgeschnitten und per Lastwagen nach Mechernich
transportiert. Mit „intuitivem Duktus“, so die Künstlerin, erarbeitete
sie die Gedenkstele. Dabei kamen sowohl Winkelschleifer als auch
Polierscheibe zum Einsatz.
Stets standen auch Gerüstböcke und
Bretter auf dem Hof der Steinmetz-Firma Simons parat, damit die
Bildhauerin Symbole wie das gleichschenklige Kreuz im neunfachen Kreis
in luftiger Höhe einmeißeln konnte. Inhaltlich wie strukturell prägend
sind aber die „Lebenslinien“ der Euthanasie-Opfer, die die Künstlerin
einzeln aus dem Marmor herausarbeitet: aufwärts strebend, sich
überschneidend und plötzlich jäh unterbrochen.
Nur 30 Meter vom
zukünftigen Standort der Gedenkstele entfernt initiierte Luise
Kött-Gärtner im Park der Klinik Marienborn zudem ein begehbares
Labyrinth nach dem großen Vorbild von Chartres. „Kranke befinden sich
oft in einer inneren Wüste“, erklärte sie. „Hier bieten sich Wege der
Orientierung, um die Mitte wiederzufinden. Ein Platz, um zur Ruhe zu
kommen.“ Am 20. August soll der Gesamtkomplex „Ort der Wandlung -
Gedenkstätte Marienborn“ im Park der Fachklinik eröffnet werden.
Quelle: KStA.de
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