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Nach Meinung des Allgemeinmediziners Dr.
Michael Schmidt, der für das Praxisnetz sprach, kommt das Projekt 20
Jahre zu früh. Dr. Gerd-Rüdiger Wasmuth, ebenfalls Mitglied des Netzes,
sieht das freilich anders.
Zumindest grundsätzlich scheinen die Politiker willens zu sein, den
Plänen des Allgemeinmediziners Dr. Gerd-Rüdiger Wasmuth keine allzu
hohen Hürden in den Weg zu stellen. Aber es werden wohl noch etliche
Gespräche über die Bühne gehen müssen, bevor es zum ersten Spatenstich
für ein Ärztehaus auf dem Stadthallengrundstück in Zülpich kommen kann.
Dass
am Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss noch keine Entscheidung
fallen würde, war von vornherein klar gewesen. Der Verwaltung und den
Politikern ging es nur darum, die Argumente zu sondieren. Wasmuth
stellte seine Pläne vor; nach einer Sitzungsunterbrechung kamen die
Gegner des Vorhabens zu Wort, die auf den Zuschauerrängen Platz genommen
hatten.
Wasmuth machte einmal mehr deutlich, dass er bei dem
Acht-Millionen-Projekt nicht als Investor auftrete, sondern lediglich
als Ideengeber und zukünftiger Mieter. Ihm gehe es ausschließlich darum,
die medizinische Versorgung der Stadt zu sichern. Einzelpraxen seien
nach Expertenmeinung aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr
zukunftsfähig. Die überwiegende Zahl der niedergelassenen Ärzte in
Zülpich erreiche in den nächsten Jahren das Rentenalter. Nachfolger
seien für Einzelpraxen aber kaum aufzutreiben.
Das Ärztehaus sei
daher unabdingbar, um Kollegen nach Zülpich zu locken. Denn dort könnten
durch die gemeinsame Nutzung teurer medizinischer Gerätschaften und
Räume Synergieeffekte erzielt und die Betriebskosten reduziert werden.
Zu hohe Mietpreise
Dr. Michael Schmidt, der
in der Schumacherstraße als Facharzt für Allgemeinmedizin praktiziert,
sieht das anders. Zülpich stehe bei der Versorgung durch niedergelassene
Ärzte derzeit sehr gut da. Er sei nicht grundsätzlich gegen ein
Ärztehaus. Aber das Projekt komme 20 Jahre zu früh. Unter den
derzeitigen Umständen sei das Haus nicht „vollzukriegen“ und daher
unwirtschaftlich. Zumal die Mietpreise für die meisten niedergelassenen
Ärzte zu hoch seien.
Schmidt sprach ausdrücklich für das
„Praxisnetz Zülpich“, dem rund 20 Kollegen aus der Römerstadt angehören.
Ein Mitglied des Ärztezusammenschlusses vertrat er allerdings gewiss
nicht. Auch Wasmuth zählt zum Praxisnetz. Der geistige Vater des
Ärztehauses konzidierte Schmidt zwar, dass man anderer Meinung als er
sein könne. Aber er, so Wasmuth, bleibe hinsichtlich der Versorgung
Zülpichs mit niedergelassenen Ärzten bei seiner Prognose, die auch von
den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) uneingeschränkt mitgetragen
werde.
Dass ein Ärztehaus außerhalb der Stadtmauern den
Einzelhändlern der Kernstadt ein Dorn im Auge ist, ist hinlänglich
bekannt. Dadurch werde den Händlern weitere Laufkundschaft entzogen. Die
Bedenken der Kollegen bekräftigte der Vorsitzende von „Zülpich
Fachgeschäfte aktiv“, Walter Blumenthal, am Donnerstag.
CDU-Fraktionschef
Ralf Engels sagte, dass das Ärztehaus „ergebnisoffen“ geprüft werde.
Dass der Innenstadt in dem Neubau etwa durch Hörgeräteakustiker direkte
Konkurrenz gemacht werde, lehne auch er ab.
Engels gab aber zu
Protokoll, dass die Händler mit ihren Argumenten gegen das Ärztehaus
womöglich von eigenen Versäumnissen ablenkten: Auf das
Einzelhandelgutachten der Universität Bonn, das Mängel hinsichtlich des
Angebots, der uneinheitlichen Öffnungszeiten und des Erscheinungsbildes
vieler Ladenlokale aufgelistet habe, hätten viele Händler „überhaupt
nicht reagiert“.
Quelle: KStA.de
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