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Kontroverse Debatte übers Ärztehaus
Freitag, 9. Juli 2010

Nach Meinung des Allgemeinmediziners Dr. Michael Schmidt, der für das Praxisnetz sprach, kommt das Projekt 20 Jahre zu früh. Dr. Gerd-Rüdiger Wasmuth, ebenfalls Mitglied des Netzes, sieht das freilich anders.

Zumindest grundsätzlich scheinen die Politiker willens zu sein, den Plänen des Allgemeinmediziners Dr. Gerd-Rüdiger Wasmuth keine allzu hohen Hürden in den Weg zu stellen. Aber es werden wohl noch etliche Gespräche über die Bühne gehen müssen, bevor es zum ersten Spatenstich für ein Ärztehaus auf dem Stadthallengrundstück in Zülpich kommen kann.

Dass am Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss noch keine Entscheidung fallen würde, war von vornherein klar gewesen. Der Verwaltung und den Politikern ging es nur darum, die Argumente zu sondieren. Wasmuth stellte seine Pläne vor; nach einer Sitzungsunterbrechung kamen die Gegner des Vorhabens zu Wort, die auf den Zuschauerrängen Platz genommen hatten.

Wasmuth machte einmal mehr deutlich, dass er bei dem Acht-Millionen-Projekt nicht als Investor auftrete, sondern lediglich als Ideengeber und zukünftiger Mieter. Ihm gehe es ausschließlich darum, die medizinische Versorgung der Stadt zu sichern. Einzelpraxen seien nach Expertenmeinung aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr zukunftsfähig. Die überwiegende Zahl der niedergelassenen Ärzte in Zülpich erreiche in den nächsten Jahren das Rentenalter. Nachfolger seien für Einzelpraxen aber kaum aufzutreiben.

Das Ärztehaus sei daher unabdingbar, um Kollegen nach Zülpich zu locken. Denn dort könnten durch die gemeinsame Nutzung teurer medizinischer Gerätschaften und Räume Synergieeffekte erzielt und die Betriebskosten reduziert werden.

Zu hohe Mietpreise

Dr. Michael Schmidt, der in der Schumacherstraße als Facharzt für Allgemeinmedizin praktiziert, sieht das anders. Zülpich stehe bei der Versorgung durch niedergelassene Ärzte derzeit sehr gut da. Er sei nicht grundsätzlich gegen ein Ärztehaus. Aber das Projekt komme 20 Jahre zu früh. Unter den derzeitigen Umständen sei das Haus nicht „vollzukriegen“ und daher unwirtschaftlich. Zumal die Mietpreise für die meisten niedergelassenen Ärzte zu hoch seien.

Schmidt sprach ausdrücklich für das „Praxisnetz Zülpich“, dem rund 20 Kollegen aus der Römerstadt angehören. Ein Mitglied des Ärztezusammenschlusses vertrat er allerdings gewiss nicht. Auch Wasmuth zählt zum Praxisnetz. Der geistige Vater des Ärztehauses konzidierte Schmidt zwar, dass man anderer Meinung als er sein könne. Aber er, so Wasmuth, bleibe hinsichtlich der Versorgung Zülpichs mit niedergelassenen Ärzten bei seiner Prognose, die auch von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) uneingeschränkt mitgetragen werde.

Dass ein Ärztehaus außerhalb der Stadtmauern den Einzelhändlern der Kernstadt ein Dorn im Auge ist, ist hinlänglich bekannt. Dadurch werde den Händlern weitere Laufkundschaft entzogen. Die Bedenken der Kollegen bekräftigte der Vorsitzende von „Zülpich Fachgeschäfte aktiv“, Walter Blumenthal, am Donnerstag.

CDU-Fraktionschef Ralf Engels sagte, dass das Ärztehaus „ergebnisoffen“ geprüft werde. Dass der Innenstadt in dem Neubau etwa durch Hörgeräteakustiker direkte Konkurrenz gemacht werde, lehne auch er ab.

Engels gab aber zu Protokoll, dass die Händler mit ihren Argumenten gegen das Ärztehaus womöglich von eigenen Versäumnissen ablenkten: Auf das Einzelhandelgutachten der Universität Bonn, das Mängel hinsichtlich des Angebots, der uneinheitlichen Öffnungszeiten und des Erscheinungsbildes vieler Ladenlokale aufgelistet habe, hätten viele Händler „überhaupt nicht reagiert“.

Quelle: KStA.de

 
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