Regionalpresse

Weitere Nachrichten und Infos über die Region finden Sie auf den folgenden Seiten:

Kölnische Rundschau
Kölner Stadtanzeiger
Radio Euskirchen
Wochenspiegel
Blickpunkt

www.brf.be

Login

Startseite arrow Pressespiegel arrow „So lange meine Füße mich tragen“
„So lange meine Füße mich tragen“
Montag, 5. Juli 2010

Hermann-Josef Klinghammer machte sich zum 70. Mal von Hoven aus auf den Weg zur „Schmerzhaften Muttergottes“ nach Heimbach. Als Fünfjähriger war er das erste Mal mit von der Partie. Er folgte damit einer Familientradition.

Vor 206 Jahren gab es in Hoven ein fürchterliches Unwetter und die Ernte war nahezu vernichtet. Die schwer gebeutelte Gemeinde St. Margareta schwor sich daraufhin, fortan immer am zweiten Sonntag im Juli eine Prozession nach Heimbach zu veranstalten und eine Kerze vor dem dortigen Gnadenbild zu opfern. Bis heute hat sich diese Tradition gehalten.

Am vergangenen Sonntag machten sich 95 Pilger auf den Weg nach Heimbach zur „Schmerzhaften Muttergottes“. Einer der Pilger war Hermann-Josef Klinghammer, dessen Familie mit zu den Treuen zählt, die die Wallfahrtstradition aufrechterhalten. Schon sein Vater Josef lief 83 Mal die 15 Kilometer nach Heimbach und wieder zurück. Hermann-Josef Klinghammer lief als Fünfjähriger das erste Mal mit - am Sonntag wurde er für seine 70. Teilnahme an der Pilgerwanderung geehrt.

Es sei eine Tradition in seiner Familie gewesen, sagte Klinghammer. Sein Vater stammt aus Hoven, und da war die Wallfahrt nach Heimbach einfach ein Muss. Der 75-Jährige wohnt inzwischen in Zülpich, aber auch für ihn ist die Heimbach-Wallfahrt obligatorisch. „Beim 200. Jubiläum der Wallfahrt hat unsere Familie ihr 100-Jähriges gefeiert“, berichtete der rüstige Rentner stolz.

Morgens um 5.15 Uhr trafen sich die Pilger vergangenen Sonntag in Hoven an der Pfarrkirche St. Margareta. Dort wurden sie von Pfarrer Guido Zimmermann für ihren Gang gesegnet. Am Abend waren sie gegen 18 Uhr wieder zurück, zwar etwas erschöpft, aber die Gesichter der Pilger verrieten auch etwas von dem inneren Frieden, den sie durch die Pilgerwanderung erlangt hatten.

35 Jahre Brudermeister

Weder Urlaub noch schlechtes Wetter können die Gläubigen von ihrer Wallfahrt abhalten. Etliche sind schon seit vielen Jahren dabei, so auch Hans-Joachim Kersting, der als Brudermeister den Rhythmus vorgibt und die gemeinsamen Gebete anstimmt. Ihm obliegt auch die Organisation der Wallfahrt. Er könne die Male schon gar nicht mehr zählen, die er mitgelaufen sei, so Kersting, aber 35 Jahre als Brudermeister seien es sicher.

Viel haben die Pilger im Laufe der Jahre zusammen erlebt. Bei Sonnenschein wie in diesem Jahr oder auch bei strömendem Regen haben sie die insgesamt 30 Kilometer auf sich genommen, um zu danken und gleichzeitig auch zu bitten. Beides gehöre dazu, so Kersting, morgens werde gedankt, nachmittags bitte man.

Kein Ereignis konnte die Pilger bisher von der Wallfahrt abhalten. Selbst im Zweiten Weltkrieg, als derartige Wallfahrten eigentlich verboten waren, lebten die Gläubigen ihre Tradition. Er selber sei noch zu klein gewesen, um dies bewusst zu erleben, erzählte Josef Klinghammer Aber sein Vater und seine Schwestern seien auch in diesen Jahren gelaufen. Um nicht aufzufallen sei man in kleinen Gruppen gewandert und habe ganz still gebetet. Heute dagegen gehen die Gläubigen wieder ganz selbstbewusst und in der großen Gruppe auf Pilgerwanderung. Der Brudermeister stimmt laut das Gebet an, in das die Gläubigen ebenso kräftig einstimmen.

Mit leichter Sorge blicken die Pilger Klinghammer und Kersting in die Zukunft. Es fehle die Jugend, sagen sie. Früher seien immer auch viele Kinder mitgelaufen, dies sei heute nicht mehr so, bedauerten sie. Dass Hermann-Josef Klinghammer auch in den nächsten Jahren kaum etwas von der Heimbachwallfahrt abhalten wird, soviel sei sicher. „Ich habe mir heute geschworen, so lange mitzugehen, wie meine Füße mich tragen“, sagte der Zülpicher bewegt.

Quelle: KStA.de

 
< zurück   weiter >

WDR Nachrichten

WDR.de - Topnews aus NRW
Informationen für NRW
© 2007 - ZetCom Mediendesign · www.zetcom.de · Impressum