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Hermann-Josef Klinghammer machte sich zum 70.
Mal von Hoven aus auf den Weg zur „Schmerzhaften Muttergottes“ nach
Heimbach. Als Fünfjähriger war er das erste Mal mit von der Partie. Er
folgte damit einer Familientradition.
Vor 206 Jahren gab es in Hoven ein fürchterliches Unwetter und die Ernte
war nahezu vernichtet. Die schwer gebeutelte Gemeinde St. Margareta
schwor sich daraufhin, fortan immer am zweiten Sonntag im Juli eine
Prozession nach Heimbach zu veranstalten und eine Kerze vor dem dortigen
Gnadenbild zu opfern. Bis heute hat sich diese Tradition gehalten.
Am
vergangenen Sonntag machten sich 95 Pilger auf den Weg nach Heimbach
zur „Schmerzhaften Muttergottes“. Einer der Pilger war Hermann-Josef
Klinghammer, dessen Familie mit zu den Treuen zählt, die die
Wallfahrtstradition aufrechterhalten. Schon sein Vater Josef lief 83 Mal
die 15 Kilometer nach Heimbach und wieder zurück. Hermann-Josef
Klinghammer lief als Fünfjähriger das erste Mal mit - am Sonntag wurde
er für seine 70. Teilnahme an der Pilgerwanderung geehrt.
Es sei
eine Tradition in seiner Familie gewesen, sagte Klinghammer. Sein Vater
stammt aus Hoven, und da war die Wallfahrt nach Heimbach einfach ein
Muss. Der 75-Jährige wohnt inzwischen in Zülpich, aber auch für ihn ist
die Heimbach-Wallfahrt obligatorisch. „Beim 200. Jubiläum der Wallfahrt
hat unsere Familie ihr 100-Jähriges gefeiert“, berichtete der rüstige
Rentner stolz.
Morgens um 5.15 Uhr trafen sich die Pilger
vergangenen Sonntag in Hoven an der Pfarrkirche St. Margareta. Dort
wurden sie von Pfarrer Guido Zimmermann für ihren Gang gesegnet. Am
Abend waren sie gegen 18 Uhr wieder zurück, zwar etwas erschöpft, aber
die Gesichter der Pilger verrieten auch etwas von dem inneren Frieden,
den sie durch die Pilgerwanderung erlangt hatten.
35
Jahre Brudermeister
Weder Urlaub noch schlechtes Wetter
können die Gläubigen von ihrer Wallfahrt abhalten. Etliche sind schon
seit vielen Jahren dabei, so auch Hans-Joachim Kersting, der als
Brudermeister den Rhythmus vorgibt und die gemeinsamen Gebete anstimmt.
Ihm obliegt auch die Organisation der Wallfahrt. Er könne die Male schon
gar nicht mehr zählen, die er mitgelaufen sei, so Kersting, aber 35
Jahre als Brudermeister seien es sicher.
Viel haben die Pilger im
Laufe der Jahre zusammen erlebt. Bei Sonnenschein wie in diesem Jahr
oder auch bei strömendem Regen haben sie die insgesamt 30 Kilometer auf
sich genommen, um zu danken und gleichzeitig auch zu bitten. Beides
gehöre dazu, so Kersting, morgens werde gedankt, nachmittags bitte man.
Kein
Ereignis konnte die Pilger bisher von der Wallfahrt abhalten. Selbst im
Zweiten Weltkrieg, als derartige Wallfahrten eigentlich verboten waren,
lebten die Gläubigen ihre Tradition. Er selber sei noch zu klein
gewesen, um dies bewusst zu erleben, erzählte Josef Klinghammer Aber
sein Vater und seine Schwestern seien auch in diesen Jahren gelaufen. Um
nicht aufzufallen sei man in kleinen Gruppen gewandert und habe ganz
still gebetet. Heute dagegen gehen die Gläubigen wieder ganz
selbstbewusst und in der großen Gruppe auf Pilgerwanderung. Der
Brudermeister stimmt laut das Gebet an, in das die Gläubigen ebenso
kräftig einstimmen.
Mit leichter Sorge blicken die Pilger
Klinghammer und Kersting in die Zukunft. Es fehle die Jugend, sagen sie.
Früher seien immer auch viele Kinder mitgelaufen, dies sei heute nicht
mehr so, bedauerten sie. Dass Hermann-Josef Klinghammer auch in den
nächsten Jahren kaum etwas von der Heimbachwallfahrt abhalten wird,
soviel sei sicher. „Ich habe mir heute geschworen, so lange mitzugehen,
wie meine Füße mich tragen“, sagte der Zülpicher bewegt.
Quelle: KStA.de
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